Etwas mehr als 120 Löschfahrzeuge gibt es in den 30 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Schwäbisch Hall. Wer eines dieser Fahrzeuge steuern möchte, braucht neben dem passenden Führerschein auch den Maschinisten-Lehrgang, in dem den Fahrern das Wissen um die Pumpen und Aggregate vermittelt wird. So viel zur Theorie.
„Es ist auf der einen Seite sehr wichtig, dass die Einsatzfahrzeuge bei Notfällen schnell vor Ort sind und die Feuerwehrleute zügig Hilfe leisten können“, erklärt Kreisbrandmeister Joachim Wagner. „Auf der anderen Seite dürfen die Fahrer die Vorsicht nicht vernachlässigen, da die Gefahr, bei einer Einsatzfahrt in einen Unfall verwickelt zu werden um 80 Prozent höher ist, als im normalen Straßenverkehr“, so Wagner weiter.
Aus diesem Grund wurde den Feuerwehren kürzlich wieder ein spezielles Sicherheitstraining angeboten, das von 80 Maschinistinnen und Maschinisten auf dem Gelände der Arena Hohenlohe bei Ilshofen absolviert wurde.
Als Zweierteam nahmen Stefan Blumenstock (31) und Andreas Grüb (34) aus Ilshofen-Obersteinach mit dem zwei Jahre alten Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug an dem Training am Sonntagvormittag teil. Das wuchtige Fahrzeug bringt circa 14 Tonnen Gewicht auf die Waage und hat einen eingebauten Tank für 1 200 Liter Löschwasser. Neben dem Fahrzeuglenker ist noch Platz für weitere acht Feuerwehrleute.
Unter den Augen von Sylvia Dworak („ich sehe alles“), fahren die beiden Feuerwehrmänner abwechselnd durch einen Parcours mit verschiedenen Aufgaben.

Beim seitlich rückwärts Einparken und beim Wenden innerhalb einer mit Absperrband und Leitkegeln markierten Fläche sollen sie ein Gefühl für das Fahrzeug bekommen, sagt Dworak. Sie ist die Geschäftsführerin der Verkehrsschule, die die Spezialausbildung für Sonderfahrzeugführer anbietet. „Das war aber schon die Mauer“, ruft sie lautstark quer über den Platz einem Fahrer durch die offene Scheibe zu, der beim Rückwärtsfahren die Pylonen hinter dem Fahrzeug umgeworfen hatte. „Bewusst ist diese Übung ohne Sicherungsposten konzipiert“, so Dworak. Die Feuerwehrleute sollen nämlich einschätzen, wie weit das Hindernis noch weg ist, was mit einer angehängten Schlauchhaspel nochmal schwieriger sei. Ansonsten gelte: Nie ohne einen Einweiser rückwärtsfahren. Blumenstock und Grüb arbeiten daher auch an den anderen Stationen immer zusammen. Während der eine fährt, zeigt der andere die Abstände an und hilft, die richtige Position zu finden. „Fahrt materialschonend“, gibt Sylvia Dworak vor, und meint damit, dass sie wegen des Gummiabriebs nicht im Stillstand auf der Stelle lenken sollen.
Weniger Sorgen um die Reifen sollten sich die Fahrer wiederum bei der Gefahrenbremsung auf dem Asphalt machen. Hier gilt es nämlich, das Fahrzeug mit einer Vollbremsung möglichst schnell und sicher zum Stehen zu bringen. Das Antiblockiersystem in den Autos hilft dabei, dass diese stabil und lenkbar bleiben. Ausbilder Eberhard Benz erklärt den Teilnehmern, wie sich der Anhalteweg – also Reaktionsweg und Bremsweg – bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten verändert. Mit „Blaulicht und Einsatzhorn verkürzen den Bremsweg nicht“, macht er nochmal deutlich, dass es beim Lenken von Feuerwehrfahrzeugen umso mehr darauf ankommt, schnell, aber vor allem sicher anzukommen.
Der Höhepunkt des Vormittags scheint die Vollbremsung auf glattem Untergrund zu sein. „Die weiße Plane, die mit Wasser bespritzt wird, wirkt wie eine schneeglatte Fahrbahn“, erläutert Martin Dold, der diese Station betreut. Auch, wenn die Löschfahrzeuge nur mit überschaubaren 30 oder 40 Stundenkilometern angefahren kommen, reicht die Länge der Plane teilweise nicht aus, um noch auf ihr zum Stehen zu kommen. Dold schaut bei den Bremsversuchen nicht nur auf die quietschenden Reifen und ob die Fahrer geradeaus schauen, er prüft auch die Sitzposition und die Lenkradhaltung. „Stell‘ mal Deine Rückenlehne gerade, dann ist Dein Arm ideal angewinkelt“, gibt er seine langjährige Erfahrung an einen Fahrer weiter. Dold: „Wir möchten die Maschinisten zum Umdenken animieren. Umsetzen muss das Gelernte jeder selbst.“ Fabian Weber von der Feuerwehr Vellberg findet es „gut, dass man hier die Möglichkeit hat, unter Anleitung der Trainer mal richtig in die Bremsen zu treten.“ Den theoretischen Teil, der bereits am Freitagabend in einem Online-Seminar vermittelt wurde, hat er mit anderen Maschinisten im Vellberger Feuerwehrhaus absolviert. Darin ging es unter anderem um die Wege- und Sonderrechte der Feuerwehren bei Einsatzfahrten (siehe Info) und um die Transportsicherung.

Nach rund fünf Stunden treten alle Absolventen den Heimweg an. „Ich wünsche mir, dass von der Schulungsveranstaltung nicht nur die Bremsspuren auf dem Asphalt sichtbar bleiben, sondern dass alle Fahrerinnen und Fahrer das neue Wissen anwenden und sie alle immer unfallfrei und gesund in die Feuerwehrhäuser zurückkehren“, so das Resümee von Kreisbrandmeister Wagner.

Eine Vollbremsung auf schneeglattem Untergrund wird auf der nassen Plane simuliert. Hier mit dem Mannschaftstransportwagen der Feuerwehr Rosengarten

 

Andreas Grüb lenkt das Löschfahrzeug seitlich rückwärts in eine Lücke. Sein Kamerad Stefan Blumenstock signalisiert ihm, dass er bremsen soll.

 

 

Info:

Das sogenannte Wegerecht für Einsatzfahrten von Feuerwehrfahrzeugen ist im Paragraph 38 der Straßenverkehrsordnung geregelt. Dort heißt es im ersten Abschnitt: Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten. Es ordnet an: „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen“.

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